Eine private und ehrenamtliche Initiative von Wilfried Stender

Steckbrief

Sonntag 26 Februar 2017

Eine offene Sammlung: Dies ist eine Zusammenfassung von Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen, wie zum Beispiel: Gesprächen, Erfahrungsaustausch und eigenen Beobachtungen. Deshalb gibt es für diese Quellen auch viele „geistige Väter“, denen an dieser Stelle Dank gebührt und ohne die diese Aufstellung so nicht möglich wäre.

Wissenswertes über den Eisvogel –
„Alcedo atthis“ genauer kennenlernen

Art und Stellenwert
Name
Aussehen und Stimme
Verhalten
Sein Revier
Nahrungsaufnahme und Art der Beute
Paarung
Bruthöhle
Brut und Aufzucht der Jungen
Bestand und Wanderungen
Gefahren

Art und Stellenwert

Der Eisvogel (Alcedo atthis) ist die einzige in Mitteleuropa vorkommende Art der Rackenvögel. Blauracke und Bienenfresser wären die nächsten Verwandten unseres Eisvogels. Er wird wegen seiner Schönheit und Farbenpracht gern als „fliegender Edelstein“ bezeichnet und häufig als Wappentier für Naturschutz verwendet, da er als Indikator für saubere Gewässer und intakte Natur gilt.

Name

Ob der Name des Eisvogels wirklich mit Eis zu tun hat oder das eisblaue Rückengefieder namensgebend war, ist ungewiss. Manche leiten den Namen vom althochdeutschen „eisan“ für „schillern“ oder „glänzen“ ab. Das wäre auch eine gute Beschreibung für das flirrende Farbspiel, das der Eisvogel im Flug bietet. Wieder andere interpretieren den Eisvogel als „Eisenvogel“ und vermuten einen Bezug auf das stahlblaue Rücken- oder das rostfarbene Bauchgefieder – genau überliefert ist das jedoch nicht. In englischsprachigen Ländern wird er einfach nur „Kingfisher“ genannt – übersetzt: Königsfischer, das beschreibt schlicht und unmissverständlich diesen Vogel nach seiner Art zu jagen.

Aussehen und Stimme

Eisvögel haben eine Körperlänge von etwa 16 cm und wiegen 35-40 g (Spannweite: 25 cm). Er ist größer als ein Sperling aber sichtlich kleiner als eine Amsel, dabei wirkt der Eisvogel oft kleiner als es scheint. Die meisten Eisvögel erreichen nur ein Alter von 2 Jahren, die wenigsten erreichen das 5. Lebensjahr. Der älteste beringte Vogel wurde 15 Jahre alt.

Er hat einen kompakten Körper mit kurzen Beinen, ein prächtiges blau-grünes Gefieder am Rücken und Kopf, im Kontrast dazu einen rostroten Bauch. Die Weibchen kann man nur an der orange gefärbten Schnabelunterseite vom Männchen unterscheiden. In seinem Lebensraum ist der Eisvogel mit seinen schillernden Farben recht gut angepasst. Auffällig ist die, je nach Lichteinfall kobaltblaue bis türkisfarbene, Oberseite. Im Abflug fallen besonders der blaue Rücken und die smaragdgrün schimmernden Flügeloberseiten auf. Die Kopfoberseite ist blau mit weißer Sprenkelung, Kehle und Nacken sind weiß. Bauch und Wangen sind rostbraun gefärbt, die Beine korallenrot. Männchen und Weibchen besitzen die gleiche Gefiederfärbung. Durch die auffällige Färbung und Gestalt ist eine Verwechslung ausgeschlossen. Jungvögel sind etwas kleiner und haben einen kürzeren dunklen Schnabel mit einer weißen Spitze. Das Gefieder ist stumpf und um die Brust herum Schmuddelbraun, die Füße sind dunkel gefleckt.

In der Mauserzeit von August bis September werden die Schwingfedern recht langsam und nur wenige von ihnen gleichzeitig gewechselt. Die Mauser wird im November unterbrochen und erst im darauffolgenden Jahr an den selben Schwingfedern fortgesetzt.Von oben betrachtet ist er mit seinem Gefieder vor dem bewegten Wasser eines Baches recht gut getarnt. Von unten betrachtet verschmilzt er gut mit den Erdtönen eines Bachufers. Für seine Feinde (von oben) und seine Beute (von unten) ist er damit schwer zu erkennen. Seine markanten, lauten Rufe hören sich an wie „khrit-rit-rit“ und sein Lockruf klingt wie „tji“. Es sind auffallend piepsend schrille Pfiffe.

Eisvögel verfügen in den Netzhäuten ihrer Augen über zwei „Sehgrübchen“, Sammellinsen, bei denen konzentrierte Sinneszellen schärfstes Sehen zulassen. Bis zu 150 verschiedene Eindrücke pro Sekunde kann der Eisvogel unterscheiden, was wichtig ist, für seine Jagd und damit er bei Gefahr rechtzeitig ausweichen kann. Für den Fischfang unabdingbar: durch die Platzierung des zweiten Sehgrübchens kann der Eisvogel exakt geradeaus sehen, obwohl seine Augen seitlich am Kopf angeordnet sind. Säugetiere beispielsweise haben nur ein „Sehgrübchen“ (Fokuszentrum) und wir Menschen können lediglich ca. 50 Eindrücke pro Sekunde aufnehmen.

Verhalten

Der Eisvogel ist ein territorialer Einzelgänger. Er ist standorttreu und tagaktiv. Er lässt Menschen nicht allzu dicht an sich heran, die Fluchtdistanz ist sehr hoch, was mit seinen guten Augen zu begründen ist. Er flieht schon auf ca. 100 m Distanz und das gleich um eine größere Strecke. Flug: eher schwirrend mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h, geradeaus, wie an der Schnur gezogen und meist flach über dem Wasser. Während des Fluges stößt er seine typischen schrillen Rufe aus, um sein Revier abzugrenzen und fremde Artgenossen zu vertreiben. Der Eisvogel badet täglich, danach fettet er mit Hilfe der Bürzeldrüse sein Gefieder ein, damit es beim nächsten Tauchgang nicht durchnässt. Dieser Vorgang kann bis zu 20 Minuten dauern. Insgesamt verwenden Eisvögel täglich gut 2 Stunden für die Gefiederpflege. Eisvögel haben in ihrem Revier bevorzugte Plätze als Ansitz zum Jagen, zum Ausruhen und für die Pflege seiner Federn.

Sein Revier

Er besiedelt u.a. weite Teile Europas und lebt an langsam fließenden oder stehenden, klaren Gewässern mit Kleinfischbestand. Das Revier eines Vogels umfasst dabei im Schnitt eine 3-4 km lange Uferstrecke. Es sind bewachsene Ufer mit überhängenden Zweigen, auf denen er ganzjährig ansitzt und ins Wasser stürzt. Allerdings kann er nur da leben, wo es viele Kleinfische gibt und sich geeignete Ansitze im Uferbereich befinden. Kleingewässer sind ein Refugium mit einer erstaunlicher Vielfalt an Arten. Eine reiche Tiervielfalt entwickelt sich nur in sauberen Gewässern, dazu verhelfen Kieselstrecken, Sohlgleiten und die Durchgängigkeit von Fließgewässern in beide Richtungen. Das im Herbst erkämpfte Revier wird erbittert verteidigt, hat es doch eine Bruthöhle vorzuweisen.

Nahrungsaufnahme und Art der Beute

Als Ansitzjäger bevorzugt der Eisvogel Äste, die 1 oder 2 Meter über das Wasser hinaus ragen. Erspäht er einen Fisch, wird dieser anvisiert und die Luft aus dem Gefieder gepresst, dann schießt er wie ein Pfeil ins Wasser (Stoßtauchen). Vor dem Durchdringen der Wasseroberfläche schließt sich die Nickhaut (ein zusätzliches Lid) über dem Auge. Mit leicht geöffnetem Schnabel aber verschlossener Kehle wird im Blindflug der Fisch gefangen, sofern der sich nicht weiter weg bewegt hat. Kurskorrekturen sind unter Wasser für den Eisvogel nicht möglich. Der ganze Jagdeinsatz dauert 1,5 bis 3 Sekunden, bis der Eisvogel mit der Beute wieder auf seiner Ansitzwarte sitzt. Er kann aber auch „rüttelnd“ wie ein Falke über dem Gewässer stehen und dann zustoßen. Mit einem gefangenen Fisch im Schnabel fliegt der Eisvogel zu einem Sitzplatz am Ufer. Die kleinen Fische verschlingt er lebend, größere Fische aber schlägt er so lange auf den Ast, bis sie sich nicht mehr bewegen. Feste, nicht schwingende Äste oder andere stabile Unterlagen sind zum Bewusstlosschlagen der etwas größeren Beute von Vorteil. Die Beute verschluckt er kopfüber, damit sich die Flossen, Schuppen und Gräten nicht im Rachen verfangen. Unverdauliche Reste werden ausgespieen. Der Eisvogel gähnt, wenn er sein Gewölle (Speiballen) hochwürgt.

Seine Nahrung setzt sich aus Fischen, Wasserinsekten, Kaulquappen und hin und wieder auch kleinen Amphibien zusammen. Er taucht gewöhnlich bis zu 60 cm tief ins Wasser, kann aber auch in ganz flachem Wasser tauchen, indem er den Aufprall auf dem Wasser durch Öffnen der Flügel geschickt abfängt. Der Eisvogel stillt seinen Hunger täglich mit 15-30 g Nahrung, die überwiegend aus Kleinfischen von 4-7 cm Größe besteht. Im Winter kann die Zahl bis auf 50 Fische ansteigen. Werden Junge gefüttert, können es bis zu 120 Fische pro Tag werden.

Paarung

Eisvögel sind Einzelgänger, die aggressiv ihr Revier verteidigen. In der Balz, der wichtigsten Phase im Jahreszyklus eines Eisvogels, muss aber diese Aggressivität nun abgebaut werden, damit eine Paarung überhaupt möglich ist. Zum Abbau der Aggressionen und Aufbau der Partnerschaft gibt es verschiedene Rituale, u.a. bringt letztlich das Eisvogelmännchen einen frisch gefangenen Fisch und serviert diesen, mit dem Kopf voran im Schnabel und mit einer Verbeugung, dem schon bettelnden Weibchen.

Bruthöhle

Als Brutplatz braucht der Eisvogel Abbruchkanten, Böschungen oder Steilufer, in denen er seine Niströhre anlegen kann. Wenn es so etwas nicht gibt, nimmt der kleine Vogel auch die Wurzelteller umgestürzter Bäume an oder Nisthilfen, wie künstliche Brutwände oder Brutkontainer. Das Männchen beginnt mit dem Graben der Brutröhre, sie wird dann aber mit dem Weibchen gemeinsam fertiggestellt. Während ein Vogel gräbt, passt der andere auf. Während der Bauzeit der Höhle finden zahlreiche Balzfütterungen und gegen Ende auch Kopulationen statt. Geschlechtsreif sind Eisvögel mit einem Jahr.

An einer senkrechten oder sogar leicht nach vorn geneigten Steilwand aus Lehm oder festem Sand, die unbewachsen, trocken und frei von zu vielen Wurzeln ist, wird möglichst im oberen Abschnitt die Höhle gegraben. Der leicht ansteigende Höhlengang, mit einem Kessel am Ende, ist 40-80 cm lang, im Querschnitt hochoval und etwa 7 cm hoch. Der Kessel hat einen Durchmesser von 20 cm und ist ungefähr 12 cm hoch. Im weichen Sand sind, im Gegensatz zu hartem Lehm, Höhlenganglängen von bis zu 100 cm möglich.

Im Rüttelflug wird der Eingang der Bruthöhle gepickt, mit den 2 Zehen, die zum Teil zusammengewachsen sind, kann der Eisvogel dann, wenn das Loch tief genug ist, um sich festzukrallen, die lose Erde, die er losgepickt hat, nach hinten wegscharren. Je nach Bodenmaterial ist die Höhle in 4 bis 10 Tagen fertig.

Brut und Aufzucht der Jungen

Eisvögel brüten von April bis einschließlich September. Sie graben ihre Bruthöhle selbst oder benutzen eine vom Vorjahr und praktizieren auch Schachtelbrut: Während die letzten Jungen noch gefüttert werden, werden schon wieder neue Eier gelegt. Möglichst viele Nachkommen sollen die hohe Verlustrate ausgleichen. 3 bis 4 Tage füttert das Männchen die Jungen noch, dann werden sie verjagt, das Weibchen sitzt derweil schon auf dem nächsten Gelege.

Das Weibchen legt in Mitteleuropa oft 7 Eier und bebrütet diese im Wechsel mit dem Männchen erst, wenn das Gelege vollständig ist. Die Brutzeit dauert 19 bis 21 Tage.

Das Gelege besteht aus 6 bis 7 Eiern. Ein Ei wiegt 4,5 g, ist 22,5 mm lang und 18,5 mm breit. Im Verhältnis zur Größe des Eisvogels sind die Eier recht groß. Die Farbe ist weiß. Brutdauer: um die 19 bis 21 Tage, Nestlingszeit: ca. 23 bis 26 Tage. Eier werden auf den bloßen Boden der Nestkammer gelegt. Zerfallene Speiballen bedecken den Boden und bilden eine isolierende Schicht. Ablösung beim Brüten kündigt sich auf Zuruf des Partners von draußen an. Der Höhlengang ist im Laufe der Fütterungszeit mit ätzendem flüssigem Kot bedeckt, durch den die fütternden Altvögel immer hindurch müssen, daher ist ein unmittelbar danach erfolgendes Bad und Gefiederpflege überlebenswichtig. Ammoniakgestank aus dem Eingang hält potentielle Beutegreifer davon ab, die Bruthöhle genauer zu erkunden. Soziales Rotationsprinzip bei den Jungen: Das Junge, welches ein Fisch bekommen hat, wandert in den Hintergrund der Bruthöhle und lässt die anderen vor – immer schön der Reihe nach. Dieses soziale Verhalten steht im krassen Gegensatz zum aggressiven Revierverhalten der Altvögel als Einzelgänger.

Bestand und Wanderungen

Die Sterblichkeitsrate (Mortalität) bei Jungvögeln ist sehr hoch: 70-80% überleben das erste Jahr nicht! Durch ihre Unerfahrenheit ertrinken einige bei den ersten Versuchen des Fischfangs, andere erfrieren im Winter mit nassem Gefieder, weil sie ihre Federn nicht ausreichend gepflegt haben. Auch das Verhungern und Beutegreifer sind eine häufige Todesursache. Der Bestand kann sich in milden Jahren jedoch recht schnell erholen, da ein Eisvogelpaar 2 oder gar 3 Bruten hintereinander tätigt. Da die Jungen aber sehr früh vertrieben werden, müssen sie sich ein neues Revier suchen. 90% bleiben dabei im Umkreis von 100 km von ihrem Geburtsort. Einige ziehen aber viel weiter. Während die Altvögel meistens auch außerhalb der Brutsaison in ihren Revieren bleiben, streifen die selbstständigen Jungvögel, auf der Suche nach einem geeigneten Gebiet, ungefähr von Juli bis Mitte Oktober umher.

Gefahren

Im Vergleich zu anderen Kleinvogelarten ist die Sterblichkeitsrate bei Eisvögeln ungleich höher. Die Bestände schwanken stark. Beutegreifer, lang anhaltende strenge Winter mit geschlossenen Eisdecken setzen der Population zu. Die größten Verluste erleiden Eisvögel in strengen Wintern. Solche Winter mit hohen Verlusten traten 1962/63 und 1978/79 auf. Als weitere Ursachen für Bestandseinbrüche sind auch die negativen Auswirkungen von Hochwassern (Vernichtung der Bruten durch Verlust der Brutwände), Wassertrübung durch Starkregen oder schnelle Strömung, geschlossene Oberflächen durch Algen und andere Wasserpflanzen und Mangel an Kleinfisch zu nennen. In Stadtnähe sind Störungen und Gefahren durch Menschen, Glasflächen, Autos und Katzen vorprogrammiert.

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